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Neandertaler-Genvariante verringert Aktivität eines wichtigen Muskelenyzms

Dominik Makak vom MPI für evolutionäre Anthropologie

Ob man für Spitzensport überhaupt geeignet wäre, ließe sich laut einer neuen Studie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie anhand einer Genanalyse feststellen. Eine von Neandertalern vererbte Genvariante beeinträchtigt nämlich die Funktion des AMPD1-Enzyms, das eine zentrale Rolle bei der Energieversorgung der Muskeln spielt und zu deren normaler Muskelfunktion beiträgt.

Diese Genvariante gelangte vor etwa 50.000 Jahren durch Vermischung in den Genpool des modernen Menschen. Heute tragen sie bis zu acht Prozent der Europäerinnen und Europäer in sich. Das spricht dafür, dass sie im Allgemeinen toleriert wird. Zur Einordnung: ganz grundsätzlich tragen Menschen nicht-afrikanischer Herkunft etwa ein bis zwei Prozent Neandertaler-DNA in sich.

„Bemerkenswert ist, dass die meisten Personen, die diese Variante tragen, keine wesentlichen gesundheitlichen Probleme haben. Dennoch scheint das Enzym eine wichtige Rolle für sportliche Höchstleistungen zu spielen“, erklärt Dominik Macak, Erstautor der Studie.

Eine Analyse von über tausend Spitzensportlerinnen und -sportlern aus verschiedenen Disziplinen ergab, dass Personen mit nicht-funktionalem AMPD1 sogar nur halb so hohe Chancen haben, sportliche Spitzenleistungen zu erreichen.

Die Forschenden betonen, wie wichtig es ist, genetische Varianten in ihrem physiologischen und evolutionären Kontext zu untersuchen, um ihre biologischen Auswirkungen zu verstehen. „Möglicherweise haben kulturelle und technologische Fortschritte sowohl bei modernen Menschen als auch bei Neandertalern die Notwendigkeit extremer Muskelkraft verringert“, sagt Seniorautor Hugo Zeberg.

Die Forschung von Hugo Zeberg in der Abteilung „Evolutionäre Genetik“ von Direktor und Nobelpreisträger Svante Pääbo wird von unserer Förderin Sabine Schaefer großzügig unterstützt. DANKE!