Topthema: Forschen zu Migration

5 Jahre “Wir schaffen das”

Die Ereignisse von 2015, als mehrere hunderttausend Geflüchtete innerhalb kurzer Zeit nach Deutschland und in andere europäische Länder kamen, brachten von der europäischen bis zur lokalen Ebene immense migrationspolitische Herausforderungen mit sich. Vor diesem Hintergrund rief die Max-Planck-Gesellschaft 2017 eine Wissenschaftsinitiative Migration ins Leben, die erstmals Forschende aus sechs Max-Planck-Instituten in Berlin, Göttingen, Halle, Heidelberg, München und Rostock zusammenführte. Der Forschungsverbund, der in diesem Jahr seine Ergebnisse vorlegt, untersuchte aus der Perspektive unterschiedlichster Disziplinen die Faktoren, die Migration, Integration und Exklusion beeinflussen.

Vier Projekte daraus werden hier exemplarisch vorgestellt. Sie zeigen die migrationspolitischen Herausforderungen auf, die seit Angela Merkels „Wir schaffen das“ von 2015 auf unterschiedlichen Ebenen – von der europäischen bis zur lokalen – bestehen.

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützt(e) an allen dort beteiligten Max-Planck-Instituten verschiedene Forschungsprojekte, insbesondere die Forschung von Ayelet Shachar am Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften in Göttingen.

Außerdem unterstützten private Förderer der Max-Planck-Förderstiftung die Initiative „People for People“ an verschiedenen Max-Planck-Instituten zur Integration von Geflüchteten. Eine Übersicht aller Projekte finden Sie hier.

Bild: © Adobe Stock

Aus der aktuellen Corona-Forschung: Regionale Lockdowns können Gesamtdauer der Beschränkungen verkürzen

Ein Computer-Modell simuliert mögliche Verläufe der Corona-Pandemie für die nächsten fünf Jahre

Ramin Golestanian, Direktor der Abteilung „Physik lebender Materie“ am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, hat gemeinsam mit Philip Bittihn und einem Forscherteam am Computer mögliche Verläufe der Corona-Pandemie simuliert. Die Berechnungen zeigen, dass regionale Maßnahmen die Epidemie mit deutlich weniger Einschränkungen unter Kontrolle halten können als national verhängte Lockdowns, wenn die Anzahl überregionaler Infektionen niedrig genug ist. Dafür sollten regionale Schwellenwerte für lokale Einschränkungen allerdings tiefer liegen als die derzeit in Deutschland festgelegten Werte. Auch wenn niedrigere Schwellenwerte zu häufigeren regionalen Lockdowns führen, würden die langfristigen Vorteile dieser Strategie die Nachteile der dadurch ausgelösten lokalen Maßnahmen überwiegen. Ein einheitlicher Maßnahmenkatalog kann eine rasche Reaktion auf steigende Infektionszahlen in einzelnen Regionen gewährleisten. Durch eine möglichst lückenlose Nachverfolgung ließe sich die Zahl überregionaler Infektionen beobachten und gegebenenfalls senken. Darüber hinaus empfehlen die Forschenden eine deutliche Ausweitung von Tests, bereits bevor Schwellenwerte erreicht werden.

Lesen Sie hier mehr über diese Studie und ihre Ergebnisse!

Die Forschung von Ramin Golestanian wurde von der Max-Planck-Förderstiftung unterstützt.

Bild: © MPIDS/ Novak

Aus der Max-Planck-Forschung: Viren aus der Wildnis

Zoonosen: Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden – oder umgekehrt

Roman Wittig weiß, wie es ist, wenn ein Virus seinen Wirt wechselt. Er hat dies im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste mehrfach erlebt – zuletzt vor vier Jahren, als ein für Menschen harmloses Corona-Virus von Menschen auf Schimpansen übersprang. Der Wissenschaftler leitet das Schimpansen-Projekt des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Zusammen mit Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut in Berlin untersucht er die Krankheitserreger der Schimpansen und welche davon auch dem Menschen gefährlich werden könnten.

Erfahren Sie hier mehr über Zoonosen und die Forschung von Roman Wittig und Fabian Leendertz. Über die Arbeit der beiden Wissenschaftler finden Sie auch einen ausführlichen Artikel in der aktuellen Ausgabe der MaxPlanckForschung ab Seite 66.

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützte am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig die Forschung von Svante Pääbo und durch eine private Spende die Bonobo-Forschung im Kongo.

Bild: © R. Wittig

Aus der Max-Planck-Forschung: Ungebetene Zuhörer im Lautsprecher

Lautsprecher unter Beobachtung

Vernetzte Lautsprecher mit Sprachassistenten hören ihren Nutzern vermutlich häufiger zu als sie sollen. Das legen Untersuchungen eines Teams der Ruhr-Universität Bochum sowie des Bochumer Max-Planck-Instituts für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre nahe. Die Forscherinnen und Forscher haben zahlreiche englische, deutsche und chinesische Wörter identifiziert, die Sprachassistenten versehentlich aktivieren. So können Teile sehr privater Unterhaltungen bei den Herstellern der Systeme landen.

Erfahren Sie hier alle Ergebnisse des großen Sprachassistentests!

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützt am Max-Planck-Institut für Cybersicherheit und Schutz der Privatsphäre in Bochum die Forschungsarbeit von Gilles Barthe.

Bild: © Maximilian Golla

Neuerscheinung: MaxPlanckForschung 02/2020

Im Fokus: Geht ins Ohr

Wer denkt bei „Bad Guy“ von Billie Eilish oder Beethovens 9. Sinfonie schon an Physik und Neurobiologie? Hören hat mit Schall zu tun, der in Form von Wellen ans Ohr dringt und schließlich vom Gehirn verarbeitet wird. Dabei empfinden wir machen Töne oder Geräusche als angenehm, andere nicht. Viele Frequenzen aber nehmen wir gar nicht wahr, etwa Ultraschall. Mit diesem orten Fledermäuse nachts ihre Beute. Und mittels Ultraschall verbinden Forschende winzige Teilchen zu dreidimensionalen Strukturen und erzeugen damit akustische Hologramme, die sich vielleicht eines Tages in der Medizin einsetzen lassen. Diese spannenden Themen (siehe auch MPF-Newsletter 08/2020) stehen mit ausführlichen Berichten im Fokus der neuen MaxPlanckForschung.

Außerdem erfahren Sie bei einem „Besuch bei“ Mariela Morales Antoniazzi am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg, warum Menschenrechte die Voraussetzung jeder Demokratie sind – und wie man sie verteidigt.

Das komplette Heft mit vielen weiteren Themen finden Sie hier.

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützt am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg ein Kooperationsprojekt mit dem Minerva-Zentrum für Menschenrechte in Israel.

Bild: © Max-Planck-Gesellschaft

Aus der Max-Planck-Förderstiftung: Virtual Science Talk 2020

Ein ganz besonderer Abend zu Ehren von Hermann Neuhaus

In „normalen“ Zeiten lädt die Max-Planck-Förderstiftung alljährlich einen exklusiven Kreis an Förderern und Freunden zum Hermann-Neuhaus-Wissenschaftsdinner ein. Dieses Jahr wurden coronabedingt digitale Wege eingeschlagen, um den Gästen spannende Spitzenforschung mit Anwendungspotential zu präsentieren. Denn ein – zumindest virtueller – Austausch sowie die Ehrung des größten Förderers sollte nicht ausbleiben. Vor rund 30 Teilnehmern würdigte Stiftungsvorstand Reinhard Pöllath in einer persönlichen Ansprache das weitreichende Engagement von Hermann Neuhaus für die Grundlagenforschung. Im Anschluss stellte der diesjährige Preisträger des Hermann Neuhaus Preises, Jesus Esteban Serrano vom Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion in Mühlheim an der Ruhr, zusammen mit seinem Forschungsgruppenleiter Andreas Vorholt sein Forschungsthema vor: „Die effiziente Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen zur Herstellung wichtiger Chemikalien“.

Lesen Sie hier mehr zu diesem bedeutsamen Thema für unser aller Zukunft.

Hermann Neuhaus hätte dieses Jahr im Juni seinen 89. Geburtstag gefeiert. Wir danken ihm und seiner Familie für ihr Engagement für die Grundlagenforschung und die vielen Projekte, die ohne seine Stiftung nicht möglich wären!

Bild: © Max-Planck-Förderstiftung

Aus der aktuellen Corona-Forschung: Mit Epo gegen Covid-19

Kann ein Dopingmittel schwere COVID-19-Krankheitsverläufe mildern?

Erythropoietin, kurz EPO, ist eigentlich ein Medikament gegen Blutarmut. Forschenden des Max-Planck-Instituts für experimentelle Medizin in Göttingen zufolge könnte das in der Öffentlichkeit vor allem als Dopingmittel bekannte Epo auch bei Covid-19 wirksam sein. Der Wachstumsfaktor könnte schwere Krankheitsverläufe abschwächen und Patienten vor neurologischen Spätfolgen schützen, wenn das SARS-Cov-2-Virus das Gehirn angreift. Nachdem erste Fallstudien bereits auf eine positive Wirkung von Epo deuten, planen die Forscher nun eine randomisierte klinische Studie, um die Effekte der Epo-Behandlung bei Covid-19-Patienten systematisch zu untersuchen.

Lesen Sie hier mehr dazu.

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützte am Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin in Göttingen ein Projekt von Klaus-Armin Nave zur Erforschung von Schizophrenie und zur Entwicklung neuer Therapieansätze.

Bild: © Pixabay/Arek Socha

Aus der Max-Planck-Forschung: Tierische Pause vom Menschen

Eine neue Initiative zur Erforschung der Auswirkungen von Corona-Maßnahmen auf Tiere

Um die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie zu stoppen, haben viele Länder die Bewegungsfreiheit ihrer Bevölkerung eingeschränkt. Die neue „COVID-19 Bio-Logging Initiative“, an der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie und der Universität Konstanz beteiligt sind, untersucht, wie Tiere auf den Rückgang der menschlichen Aktivität reagiert haben. Dazu hat das Team die Bewegung verschiedener Tierarten vor, während und nach der Corona-Krise mittels Mini-Sendern verfolgt. Auf diese Weise sollen Strategien für ein besseres Miteinander von Mensch und Tier entwickelt werden.

Hier erfahren Sie mehr über die neue „COVID-19 Bio-Logging Initiative“.

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützt am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie Radolfzell / Konstanz die Forschung von Meg Crofoot und Iain D. Couzin. Außerdem unterstützt die Dr. Gerhard und Irmgard Gross-Stiftung – unter dem Dach der Max-Planck-Förderstiftung – dort ein Projekt zur Erforschung der Aalwanderung von Martin Wikelski.

Bild: © Sergio Izquierdo

Aus der Max-Planck-Gesellschaft: Neues Team, neue Ideen

Senat der Max-Planck-Gesellschaft wählt neue Vizepräsidenten

Ab 1. Juli 2020 treten eine neue Vizepräsidentin und zwei neue Vizepräsidenten ihr Amt an: Asifa Akhtar, Ulman Lindenberger und Klaus Blaum gehören nun zum Verwaltungsrat, der den Präsidenten Martin Stratmann berät und wichtige Entscheidungen der Gesellschaft vorbereitet. Sie folgen auf Bill S. Hansson, Angela D. Friederici und Ferdi Schüth, die sich sechs Jahre lang an der Seite von Martin Stratmann verdient gemacht hatten.

Erfahren Sie hier mehr über die drei neuen Vizepräsidenten und ihre Ideen.

Die Max-Planck-Förderstitung unterstützte ein Projekt von Ulman Lindenberger zur Alternsforschung und die Forschung von Klaus Blaum zu extrem kalten, gespeicherten Clustern.

Angela D. Friederici und Martin Stratmann sind seit 2014 Mitglieder im Stiftungsrat der Max-Planck-Förderstiftung.

Bild: © Marcus Rockoff, David Ausserhofer, Stefanie Aumiller

Aktuelles aus den Max-Planck-Instituten: Topthema Schall

Das geht ins Ohr!

Operngesang. Vogelgezwitscher. Lautes Schreien. Eine nicht gestimmte Geige. Manche Töne finden wir instinktiv angenehm, andere unangenehm. Doch wie entscheiden wir, ob etwas gut oder schlecht klingt? Und wie wird Schall im Gehirn überhaupt verarbeitet? Um diese Fragen zu beantworten, versucht das Team um David Poeppel am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt, Sprache und Musik in ihre elementarsten Bestandteile zu zerlegen. Und am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig ergründen Forscher das Geheimnis von Super-Hits. Hier geht es zu den spannenden Ergebnissen.

Lesen Sie außerdem über die Forschung am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart, wie Schall Gestalt annehmen kann, oder über die Arbeit von Holger Goerlitz, der am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen die komplexen Klangwelten der Fledermäuse erforscht.

Im aktuellen Podcast des Forschungsquartetts können Sie ganz in die Welt des Schalls eintauchen!

Die Max-Planck-Förderstiftung unterstützte an den oben genannten Max-Planck-Instituten in Frankfurt, Stuttgart und Seewiesen bereits verschiedene Forschungsarbeiten.

Bild: © plainpicture/Roberto Westbrook